Für die meisten Europäer beginnt die Geschichte des Cacaos mit Kolumbus. Aber eigentlich hatte dieser Baum selbst bei den Azteken schon eine ereignisreiche Reise hinter sich, die vor mehreren tausend Jahren im Regenwald Südamerikas startete.

Zwischen Orinoko und Amazonas entdeckten dort die Ureinwohner den köstlichen Geschmack des wild wachsenden Kakaos. Sie lutschten allerdings nur das Fruchtfleisch und spuckten die bitteren Bohnen aus. Von Südamerika gelangen – höchstwahrscheinlich im Gepäck von Reisenden, vielleicht Händlern – besonders wohlschmeckende Ableger von Theobroma Cacao nach Mittelamerika. Interessant, denn es zeigt die frühe Wertschätzung für diesen Baum. In Mittelamerika beginnt schließlich die Kultivierung von Kakao auf Plantagen. Erst da wird er fermentiert, geröstet und zu einer Paste gemahlen. Ein Quantensprung, denn hier wird erstmals Schokolade gemacht! Später wird sie ein Genußmittel für die Eliten und sogar für kultische Handlungen verwendet.

Beim Kakao, der für Schokolade verwendet wird, sind drei Unterarten bekannt: Forastero, die Art aus dem südamerikanischen Urwald. Sie ist der robuste, produktive aber eindimensionale Arbeiter. Criollo – empfindlich gegen Krankheiten, ertragschwach – aber trotzdem der genial wohlschmeckende Künstler. Das ist der edle Kakao, des alten Mittelamerikas. Und dann Trinitario – das Kind der beiden, das alle positiven Eigenschaften in sich vereint: Widerstandsfähig, ertragreich und mit einem reichen Aroma gesegnet.

Die Geschichte des Kakaos wurde von wirtschaftlichen Interessen bestimmt: In der Folge hat der untalentierte Forastero aufgrund seiner hohen Erträge einen Anteil von ca. 80% an der weltweiten Kakaoernte. Er ist der Konsumkakao, der in Staaten wie Ghana, der Elfenbeinküste oder Thailand angebaut wird. Trinitario hat einen Anteil von ca. 20%. Er zählt zu den Edelkakaos und wird fast überall in der Welt angebaut. Und wo bleibt da der edle Criollo? Er ist mittlerweile Mythos. Jeder vermeintlich „reine“ oder „pure“ Criollo hatte bisher auch immer ein paar Forastero-Spuren in seinem genetischen Profil. Genetisch reiner Criollo könnte also heute ausgestorben sein.

Allerdings ist die Qualität von Schokolade nicht allein vom genetischen Profil abhängig. Kakao lebt sprichwörtlich vom Boden, dem Klima und der sorgfältigen Verarbeitung hin zur fertigen Schokolade. Für Enthusiasten bleibt ein weites Feld für aufregende Entdeckungen.

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